Ergebnisbericht vom 25. September 2008
Wenn es um Aktivitäten und Maßnahmen in der europapolitischen Öffentlichkeitsarbeit geht, sind Jugendliche häufig die zuerst genannte wichtige Zielgruppe. Das ist auch richtig, aber der Runde Tisch Europakommunikation von Auswärtigem Amt und Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland hat sich am 25. September 2008 einer anderen, zumeist schwieriger zu erreichenden Zielgruppe zugewandt: den jungen Berufstätigen.
Untersuchungen zur Wahlbeteiligung bei Europawahlen haben gezeigt, dass gerade die Altersgruppe der 20 bis 30 Jährigen am schwierigsten für eine Wahl zu mobilisieren ist. Das liegt u.a. daran, dass die Bindung an soziale Milieus wie z.B. Vereine, Kirchen und Verbände durch die erste Berufstätigkeit häufig zunächst verloren geht. Diese sozialen Milieus sind es jedoch, in denen eine hohe "soziale Kontrolle" herrscht und die Wahlbeteiligung in der Regel signifikant höher ist.
Der Runde Tisch Europakommunikation "Europa im Berufsleben" stellte sich somit der Frage, ob und wie in Unternehmen und Berufsschulen eine ähnliche soziale Bindung (wieder) aufgebaut werde könnte, um so die große Gruppe der jungen Berufstätigen für Europa zu interessieren. Dazu waren drei Referentinnen anwesend, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln mögliche Optionen und Instrumente vorstellten und anschließend mit den rund 35 Teilnehmer/innen zivilgesellschaftlicher Organisationen diskutierten.
Zu Beginn stellte Sirka Laudon, Bereichsleiterin Personalentwicklung der OTTO Group in Hamburg, ein Programm vor, mit dem Azubis unter dem Motto "Open your mind - go international!" Lust auf Europa gemacht werden solle. Auch wenn zunächst das unternehmerische Interesse am internationalen Einsatz der Mitarbeiter im Vordergrund stehe, würde über Sprachausbildung, interkulturellen Dialog und Austauschprogramme die Wichtigkeit der europäischen bzw. internationalen Komponente im Leben verdeutlicht. Indem man den jungen Leuten Lust und Spaß an der Veränderung vermitteln würde, könnten diese auch eher eine europäische Dimension erfassen und die Bedeutung von z.B. Europawahlen ermessen. Wichtig sei es, mit einfachen, aber kreativen Ideen das Interesse zu wecken, welches im Anschluss an eine internationale Erfahrung mit webbasierten Trainingsmaßnahmen und Debattier-Clubs nachhaltig flankiert werden sollte.
Nachhaltigkeit war auch ein Stichwort, das Barbara Fabian, Referatsleiterin EU-Bildungspolitik beim DIHK Brüssel, aufgriff, als es um die Frage ging, wie junge Berufstätige für Europa interessiert werden könnten und wann dieses zu beginnen habe. Sie wies darauf hin, dass trotz bestehender rechtlicher Möglichkeiten, Ausbildungszeiten im Ausland zu verbringen, nur 1% der Azubis davon Gebrauch mache. Europa stehe offensichtlich bei der Mehrheit nicht an erster Stelle, ausreichende Sprachkenntnisse seien häufig nicht vorhanden und nur große, europaweit tätige Unternehmen würden überhaupt ein entsprechendes Angebot machen. Denn kleine mittelständische Unternehmen seien in der Regel auf die Arbeitskraft ihrer Azubis angewiesen und ermutigten Auslandsaufenthalte eher selten. Es sei daher wichtig, die duale Berufsausbildung europäisch zu öffnen und „europafit“ zu machen.
Um das abstrakte Thema „Europa“ praxisnah zu vermitteln und berufliche Lern- und Arbeitsmöglichkeiten für Auszubildende und Fachkräfte in Europa aufzuzeigen, seien während der diesjährigen Europawoche über 60 Unternehmer/innen als "ehrenamtliche Lehrkräfte" für einen Tag an Berufsschulen gegangen. Das Projekt sei nicht nur auf großes Interesse von Berufsschullehrern und -schülern gestoßen, sondern habe auch eine positive regionale Presseresonanz gefunden. Die IHKs würden daher eine Fortführung des EU-Projekttages planen.
Als dritte Referentin gab Dr. Armgard von Reden, Leiterin des IBM-Verbindungsbüros in Berlin, einen umfassenden Einblick darüber, wie auf unterschiedlichen Ebenen in einem global integrierten Unternehmen, internationale Teams zusammen arbeiten würden und wie diese Teams auf diese Aufgaben vorbereitet würden. Auslandspraktika in der Ausbildung, ein Mentorenprogramm, bei dem die Mitarbeiter/innen sich auch ausländische Mentoren wählen könnten und europabezogene Projekte bildeten die Schwerpunkte. Bei den europäischen Projekten sei wichtig, dass sie unmittelbaren Bezug zur Arbeit der Mitarbeiter hätten. Nur dann würden diese den Mehrwert für sich selbst erkennen und sich über den beruflichen Bezug auch mit dem europäischen Inhalt des Projekts auseinandersetzen.
Die Teilnehmer/innen des Runden Tisches Europakommunikation waren sich in der anschließenden Diskussion einig, dass Europa für diese schwer zu erreichende Zielgruppe möglichst praxisnah und mit Bezug zum ausgeübten / angestrebten Beruf vermittelt werden müsse. Europa dürfe und müsse auch Spaß machen, Anreize müssten geschaffen werden und im Idealfall sollten Erfahrungsberichte von Azubis, die an Austauschprogrammen teilgenommen haben diese Anreize verstärken.
Ein wichtiger Bereich, um junge Berufstätige anzusprechen, sei der außerschulische Bereich, dort wo Vereinsleben stattfinde und soziale Milieus (neu) geschaffen würden. Nach Meinung einiger Teilnehmer ein Thema für den nächsten Runden Tisch!
Downloads
| EBD_AA_RT_080925_Fabian_Praes.pdf Präsentation des DIHK | |
| EBD_AA_RT_080925_OTTO_09.2008.pdf Präsentation der OTTO Group |
